Junge hat nach Strand-Besuch einen ungebetenen Gast unter der Haut

0
396
Quelle: Getty Images/The Image Bank/Uwe Krejci

Bei Ebbe schürft sich ein 11-Jähriger die Ellenbogen an einem Küstenfelsen auf. Nicht ungewöhnlich. Die Schürfwunde wird zu einer Beule – wächst weiter und weiter und wird rot. Bei den Eltern läuten die Alarmglocken. Zu Recht!

Dr. Albert Khait ist Kinderarzt und Assistenzprofessor an der kalifornischen Loma Linda Universität. Er untersuchte einen 11-jährigen Jungen, der sich beim Spielen an einem kalifornischen Strand eine Wunde am Arm zugezogen hatte. Zunächst konnte er nichts Seltsames feststellen, berichtet der Arzt dem Fachmagazin „BMJ Case Reports“ am 25. Januar. Dem Patienten ging es soweit gut. An seinem Ellenbogen hätte sich ein roter Abszess gebildet, voll mit flüssigen Einlagerungen. Aber der kleine Junge zeigte ansonsten keine bedenklichen Symptome, konnte ganz normal seinen Arm heben. Dr. Khait tut, was Ärzte in solchen Fällen tun: Er behandelt den Abszess und öffnet ihn.

Doch in der Wunde steckt noch etwas Hartes…

Dann die Überraschung: Im Arm des Jungen befindet sich eine vier Millimeter große Meeresschnecke, Spezies Littorina scutulata. Und die Schnecke lebt!

Der Schneckerich nach Entnahme aus dem Ellenbogen.
Quelle: BMJ Case Reports

Wie ist das möglich?

Normalerweise lebt die Meeresschnecke mit ihren Artgenossen auf Felsen im Wasser, wo sich die Tierchen von Algen ernähren. Wenn sie bei Ebbe an Land zurückbleiben, sind die Tiere viel Luft ausgesetzt; zu viel für ihren Geschmack. Mit dem Operculum (lat. „Deckelchen“) und etwas Schleim schließen Meeresschnecken – wie die im Arm des 11-Jährigen – ihr Schneckenhaus ab.

SO SCHÜTZEN SICH DIE SCHNECKEN IM INNEREN GEGEN AUSTROCKNUNG UND ERSTICKEN.

ALBERT KHAIT,
Assistenzprofessor für Kinderheilkunde, Loma Linda Universität

Deswegen konnte das vier Millimeter große Tier auch in dem Jungen überleben.

Quelle: en.wikipedia.org

Wie der blinde Passagier in den Arm des 11-Jährigen kommen konnte, ist bisher noch unklar. Dr. Khait vermutet, dass Schneckeneier auf dem Felsen lagen, an dem sich der Junge die Wunde zugezogen hat. Durch den Aufprall sei so ein Ei scheinbar in die Wunde geraten und konnte sich dort einnisten.

Von der Schnecke in seinem Körper sei der kleine Patient ziemlich fasziniert gewesen, wie Dr. Khait verrät, und durfte das Tier sogar mit nach Hause nehmen. Sehr viel weiter ging die Reise der Meeresschnecke allerdings nicht: Am Tag nach dem Arztbesuch habe sie keine Reaktion mehr gezeigt, wie die Familie berichtet. Hoffen wir, dem Rest der Felsschnecken erging es besser.

Quelle: welt.de